Würste aus Fisch? Warum nicht gleich direkt aus Pflanzen?

Werbefoto von Meralliance

Schon der Reinigungsindustrielle Hans Raab («Melander») hatte versucht, mit seinen Würsten aus gezüchteten Welsen den Markt zu erobern. Nun versucht der französische Lachsverarbeiter «Meralliance» Ähnliches noch etwas pikanter: Nebst Würsten aus Thunfisch stellt er auch die scharfen spanischen Chorizos aus Lachs her. «Das ist wirklich revolutionär», sagte der Besitzer Gilles Charpentier zum Branchenblatt IntraFish, «diese Würste sind nach dem gleichen Verfahren hergestellt wie aus Fleisch. Sie haben daher genau die gleiche Textur und genau den gleichen Geschmack wie die echten Würste.»

Toll. Darauf hat die Welt gewartet. Und auch hierauf: «Sie können ganz viel davon essen. Das sind viel gesündere Snacks als jene aus Fleisch», behauptet Charpentier.


Hirnloser Umweg über Fischleid – für mehr Hirn…

Gesünder heisst bei Fisch in der Regel: Hoher Gehalt an den hochungesättigten Fettsäuren Omega 3, die unter anderem «weniger Herzinfakrt» und «mehr Hirn» bewirken sollen. Wie diese Säuren in den wildlebenden Thunfisch gelangen, ist bekannt: Sie werden von Mikroalgen produziert, welche von kleinen Fischen gefressen werden, die ihrerseits von weniger kleinen Fischen gefressen werden, und so weiter, bis zum gefrässigen Thunfisch.

Bei Zuchtfischen, egal ob Thun, Lachs oder Wels, ist das schon komplizierter: In ihren Becken gibt’s nämlich diese Nahrungskette von der Mikroalge an aufwärts gar nicht. Also muss ihnen das Omega 3 künstlich verfüttert werden. Es stammt aber nicht etwa aus Mikroalgenzuchten (noch nicht, man arbeitet immer noch dran), sondern von Fischen, die extra hierfür gefangen werden (rund ein Drittel aller Meeresfänge dienen der Fütterung von Zuchtfischen, Hühnern und Schweinen – dieser Raubbau ist derzet noch billiger als der Aufbau einer vegetabilen Omega-3-Versorgung...)

Wenn es möglich ist, aus Fisch Würste herzustellen, die in Biss und Geschmack echten Würsten zum Verwechseln ähnlich sind: Warum werden als Rohmaterial nicht einfach Pflanzen wie Weizen oder Soja und Mikroalgen aus Zucht verwendet? Warum ein unsinniger Umweg über Fischleid und Überfischung? Hat vielleicht, wer viele Würste isst, die Hirnmasse verloren, um hierüber nachzudenken?…

Quelle: http://www.intrafish.com

Hintergrund Melander: http://www.fair-fish.ch/wissen/zucht/melander.html

https://flattr.com/profile/billo

 

 

Comments (3)  Permalink

comments

Catherine Pfister @ 12.09.2010 14:42 CEST
Finde ich einen super interessanten Beitrag. Bin ganz deiner Meinung, diese Fisch-Würste zu produzieren wäre wirklich ein Irrsinn!Schon verheerend, dass es immer als erstes ums Geld einsparen geht und erst dann um die Umwelt...!Der Mensch ist einfach zu ehrgeizig und gleichzeitig zu doof.
Alles Gute und bleibe dran.
Lg Catherine
AlGen @ 17.09.2010 10:17 CEST
Hier gibts Würstchen aus Algen...
http://www.remis-algen.de/Wie_die_Alge_zur_Wurst_wird.html
noch ist kein Omega-3 drin, aber die aktuellen Aktivitäten rund um die Algenbiotechnologie (auch in Deutschland) lassen hoffen, dass sich das ändern kann. Wobei hier die Möglichkeiten aufgrund der Patentstrategie einer US-Firma eingeschränkt werden.
fair-fish @ 17.09.2010 10:59 CEST
Danke! Algen sind grundsätzlich eine gute Alternative mit Zukunft. Fragt sich nur, warum es ausgerechnet Würstchen sein müssen; es liessen sind auch andere leckere Darbietungsformen denkbar, welche dem Ausgangsprodukt gerechter werden. Aber wenn das Heil der Fischbestände aus Algenwürstchen besteht, okay.

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