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Weltweit gehen die Fangerträge zurück. Wissenschafter warnen, Behörden appellieren: «Wenn wir die Fischerei heute nicht reduzieren, werdet Ihr morgen gar nichts mehr zu fangen haben!» Der Kieler Fischereibiologe Rainer Froese prognostiziert für die europäischen Gewässer 60 Prozent höhere Fangerträge als heute, sofern die Fischerei für vier bis fünf Jahre um mehr als die Hälfte reduziert wird, damit sich die Bestände erholen können. Damit die Fischer diese Durststrecke überleben, empfiehlt Froese Kredite, welche später dank höheren Erträgen und Gewinnen leicht rückzahlbar seien.

Für Europa mag dies richtig sein. Doch wie sollen keine Küstenfischer in Afrika überleben, wenn sie bis auf weiteres weniger oder gar nicht fischen dürfen? Wer würde ihnen, den Ärmsten, denn Kredit geben?

Plünderung auch nach Ende der Kolonialherrschaft

Seit Beginn der «Unabhängigkeit» von den einstigen Kolonialmächten in den 1960er Jahren haben die Regierungen der westafrikanischen Staaten ihre Fischgründe plündern lassen. Teils geschah und geschieht dies unter dem wirtschaftlichen Druck der einstigen Herren in Europa, die Fischereirechte für ihre eigene Fangindustrie sichern wollten. Teils gaben und geben sie dem innenpolitischen Druck aus den Küstenregionen nach, in welchen wenig Einkommensalternativen zur Fischerei bestehen – ein Viertel der Menschen Westafrikas lebt vom Fischfang. Die afrikanischen Regierungen haben es fünfzig Jahre lang versäumt (und wurden ebenso lange darin behindert), Regeln der Nachhaltigkeit durchzusetzen und lokale wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

Die Lage der westafrikanischen Küstenfischer hat sich in den letzten Jahren zugespitzt. Die Fänge sind dramatisch kleiner geworden und decken oft nicht einmal die Benzinkosten für die immer weiteren Fahrten auf der Suche nach Fischen. In ihrer Existenznot und oft in der Fuchtel mafiöser Händler wenden die kleinen Fischer Fangmethoden an, die wirksamer, aber zerstörerisch sind: Dynamit, Gift, zu enge Maschen oder verbotene Nylonnetze, die als Geisternetze ewig weiter fangen, wenn sie auf bewegter See verloren gehen. Auf der Strecke bleiben nicht nur die paar grossen Fische, für welche ein guter Preis zu lösen ist, sondern vor allem viele zu junge Fische, die sich noch gar nicht vermehren konnten, sowie kleine Arten, welche die Nahrung der grossen Fische sein sollten.

Proteste gegen Fangbeschränkungen

Allein in Ghana, ein Land mit 543 Kilometer Küstenlinie, fahren schätzungsweise 200'000 Pirogen auf Fischfang  – dreimal so weit hinaus wie noch vor zehn Jahren. Die ghanesische Regierung versucht seit 2010, strengere Regeln bezüglich Fangmethoden und Mindestgrösse der Fische durchzusetzen. Fischereibehörden, Marine und Polizei führten Kontrollen durch, beschlagnahmten verbotene Fanggeräte und verzeigten Fischer oder nahmen sie fest, die sich nicht an die Vorschriften hielten. Gewalttätige Proteste waren die Folge – alles andere hätte erstaunt.

Ein Verantwortlicher der ghanesischen Fischereibehörden moniert, man hätte die Fischer zuvor halt «stärker für den Umweltschutz sensibilisieren» müssen. Das unterstellt, die Fischer wären zu blöd, um zu merken, was sie anrichten. Sie wissen sehr genau, was die Folgen der Überfischung sein werden – aber sie haben keine andere Wahl, wenn sie ihre Familie heute ernähren wollen. Es sei denn die ungewisse Flucht nach Europa mit der Illusion, dort Geld verdienen und der Familie Zuhause senden zu können

Auch Senegal am Limit

Im Senegal das gleiche Bild. Die Zahl der Pirogen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. Viele Bauernfamilien verliessen ihre vertrocknete Erde im Landesinnern und zogen an die Küste in der Hoffnung, vom Fischfang leben zu können. Siebzig Prozent der senegalesischen Fischexporte werden von einheimischen Pirogen gefangen. Keine senegalesische Regierung hat es bis heute geschafft, eine Landwirtschaftspolitik zu betrieben, welche die Menschen auf ihrem Stück Boden hält und ernährt. Das meiste Agrarland ist nur drei Monate während eher Regenzeit von Pflanzen bedeckt; in den übrigen drei Monaten liegt es brach dem Wind ausgesetzt. Und nun sägt sich die stolze, traditionsreiche Fischereination Senegal auch noch den eignen Ast im Meer ab

Ob die im April angetretene neue Regierung in Dakar dem Senegal eine neue Zukunft öffnen kann, ist unsicher

Quellen:

Situation in Ghana

Situation im Senegal

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