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Die Welternährungsbehörde der FAO fordert von Fisch-Labels, dass sie kleinen Fischereien aus armen Ländern den gleichen Zugang gewären wie industriellen Fischereien aus dem Norden. Workshop des MSC in Ghana im Versuch, dem nachzuleben. (Foto: N. Barker, MSC / Marine Photobank)

Die deutsche Supermarkt-Kette Kaufland spendet 100'000 Euro an die MSC-Zertifizierung der Rotzungen-Fischerei in Gambia. Damit wird die teuerste Zertifizierung in der Fischerei überhaupt unterstützt. Das Resultat dieser Spende ist vergleichsweise mickrig: mehr Nachhaltigkeit – ohne Fairen Handel, ohne Tierschutz...

Kaufland wird dereinst Rotzunge aus Gambia unter dem Siegel MSC anbieten können. Für die nachhaltige Bewirtschaftung des lokalen Bestands dieser Plattfischart ist das zwar erfreulich. Auch für den besseren Absatz der Fische zu viellecht etwas höherem Preis mag das positiv sein. Für die lokalen Fischer bringt das aber keine echte Verbesserung. Die MSC-Zertifizierung kümmert sich nicht um soziale Fragen, schon gar nicht um Kriterien des Fairen Handels. Ebenso wenig kümmert sich MSC darum, was mit den gefangenen Fischen geschieht: Es ist für die Zertifizierung absolut egal, wie lange die Fische im Fanggerät leiden und auf welche Weise sie an Bord verrecken müssen. Gerade angesichts der Schwierigkeiten, Plattfische schonend zu betäuben und zu töten, bedürfte es hier besonderer Entwicklungsanstrengungen.

Ein fair-fish-Projekt mit dreimal so viel Leistung wäre billiger zu haben gewesen

Weiter nördlich in Westafrika, in der senegalesichen Region Saloum, hatte der Verein fair-fish mit den lokalen Fischern zusammen Kriterien für Nachhaötigkeit, Fairen Handel und Tierschutz erarbeitet, in der Praxis umgesetzt und von unabhängiger Stelle zertifizieren lassen.

2010 hatte sich Kaufland für Fische aus diesem Projekt interessiert. Im Gegensatz zu andern Mitarbeitern der Firma drängte  der Einkäufer für Tiefkühlprodukte mit einer industriellen Ungeduld auf grosse Mengen von Beginn an, die nur mit dem ganzen Fangertrag aus dem Saloum hätte gedeckt werden können – was weder den Regeln der Nachhaltigkeit noch jenen des fairen Handels entsprochen hätte. Weil der von uns geplante schrittweise Aufbau mit sukzessiver Ausweitung auf weitere Regionen mit weiteren Fischarten mit der industriellen Logik der Kette nicht vereinbar war, verzichtete fair-fish schliesslich auf eine Zusammenarbeit.

Mühe hatte Kaufland damals auch mit dem höheren Preis für die «fairen Fische», der vor allem den lokalen Fischerdörfern zugute gekommen wäre. Aber keine Mühe hat der Konzern jetzt, 100'000 Euro für ein Fischereiprojekt zu spenden, das nur einen Drittel so viel leistet. Hätte fair-fish damals 100'000 Euro für das Projekt im Saloum gekriegt (es war nie die Rede davon), hätten die Fischerdörfer davon profitiert. Die jetzt gespendete Summe dagegen versickert in einer Zertifizierungsbürokratie, die derart teuer und kompliziert ist, dass sie nur mit unglaublichem Aufwand in der Lage ist, allmählich auch Weltsüden Fuss zu fassen – und dies auch nur, weil der Handel im Norden ohne Fisch aus dem Süden auf dem Trockenen sässe.

Es geht Kaufland offenbar nur darum, Fisch mit einem «Heiligenschein» zu versehen und ihn doch zum ewa selben Preis wie zuvor ins Regal legen zu können. Der Kundschaft ist es eh egal. Label? Nun ja, wenn's sein muss – Haupsache billig.

Die Welt ist ungerecht, und die Letzten beissen die Hunde. Wie soll man das den Fischern im Salium erklären?

Artikel im «Fischmagazin»

Richtlinien fair-fish

Projekt fair-fish

Beschluss über dessen Einstellung

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