EN | FR | IT

KONTAKT  -  SPENDE  -  BLOG

Letzte Aktualisierung am .

Schematische Darstellung eines FAD (fisheries.nooa.gov)
Schematische Darstellung eines FAD (fisheries.nooa.gov)

Die Fischbestände sind überfischt, die Fangerträge sinken. Darum setzt die industrielle Fischerei zunehmend FADs ein, eine Methode, um viele Fische anzulocken. Neu ist dieses Verfahren auch unter dem MSC-Label erlaubt – fair-fish wehrt sich dagegen.

Von Rahel Salathé

Ein «Fish Aggregating Device» (FAD) ist eine Vorrichtung, um Fische anzulocken. FADs sind auf einer Plattform fixiert, die entweder am Meeresgrund verankert ist oder auf der Oberfläche driftet.

Die Fischerei mit FADs nutzt das Verhalten vieler pelagischer Fischarten (1), die sich gerne in der Nähe von schwimmenden Körpern wie Holzstämmen oder Algenmatten oder von grösseren Arten wie Walhaien aufhalten. Motive für dieses Verhalten sind Geselligkeit, Schutz in der Gruppe vor Fressfeinden, Futtersuche oder bessere Überlebenschancen für ihre Brut.

Die Industriefischerei nutzt FADs in stark zunehmendem Ausmass. Laut einer Studie der Pew Environmental Group von 2011 bestanden im Jahre 2008 weltweit 20’859 solcher FADs aus frei schwimmenden Thunfischschwärmen und 4’570 aus schwimmenden Baumstämmen. 9’508 FADs waren driftende Plattformen und 2’270 fest verankert. Eine 2019 in «Nature» publizierte Studie kommt zu einem ähnlich bedenklichen Schluss.


MSC-Label erlaubt Raubbau

Bis vor kurzem wurden Fischereien, die sich dieser Technik behelfen, vom MSC nicht akzeptiert. Neu aber zertifiziert MSC auch solche Fischereien. Wir erachten dies als höchst unverantwortlich, aus folgenden Gründen:

Die Fänge von zu jungen Thunfischen sind beim Einsatz FADs viel höher im Vergleich zu anderen Fischereien;
der Beifang von Nicht-Zielarten ist bei FAD-Sets viel höher, darunter sind Meeresschildkröten und Haie am häufigsten;
der Einsatz von FADs hat eine unhaltbare Auswirkung auf das breitere Ökosystem: Geisterfischerei durch verlorene oder aufgegebene treibende FADs, Zerstörung von Lebensräumen wie Korallenriffen durch FADs, Meeresverschmutzung durch Plastik von verlorenen, gestrandeten oder gesunkenen FADs.

Obwohl Entwicklungen wie biologisch abbaubare und nicht verheddernde FADs einen gewissen Grad an Verbesserung darstellen, sind wir der Meinung, dass die mit der Verwendung von FADs verbundenen Probleme immer noch zu schwerwiegend sind, als dass die Einbeziehung von FADs in eine MSC-Zertifizierung akzeptabel wäre. fair-fish unterstützt daher einen Brief des NGO-Verbunds «On the Hook», dem er selber angehört, mit der Forderung an den MSC , FADs nicht mehr zu akzeptieren.)

Der Einsatz von FADs in der artisanalen Fischerei ist weniger problematisch, unter folgenden Bedingungen: Gezielte Fischerei, Nutzung des ganzen Fangs. Vermeidung des Verfangens von Schildkröten, Haien, und Jungtieren. Es darf zudem nur Material im Wasser zurück bleiben, das sich abbaut, wie etwa Holz, Palmblätter oder Kokosmatten.


(1) Pelagisch sind Fischarten, die im offenen Meer in geringer Tiefe leben, wie Thunfische, Makrelen, Heringe, Sardinen, Sardellen und andere Arten.
 

 

Pingbacks

Pingbacks sind aktiviert.

Trackbacks

Trackback-URL

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar abschicken



Scheuchzerstrasse 126    8006 Zürich