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Massvoll fischen – aber was tun…

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… wenn Fischdaten fehlen?

Vor allem in ärmeren Ländern und für weniger gefragte Fischarten fehlen oftmals Daten über den Fischbestand, denn die Erhebung dieser Daten war bisher aufwendig und teuer. Fehlende Bestandesdaten sind ein Hauptgrund dafür, weshalb das Fischlabel MSC bisher in Entwicklungsländern kaum eine Fischerei zertifizieren konnte – oder weshalb beim stark in Entwicklungsländern tätigen Konkurrenzlabel Friend of the Sea bei rund der Hälfte der Fischbestände gesicherte Daten fehlen.

Nun haben die Fischereibiologen Rainer Froese (Geomar, Kiel) und Steven Martell (University of British Columbia) eine neue und einfache Methode entwickelt, mit welcher trotz fehlender Bestandesdaten berechnet werden kann, bei welchen Fangmengen der grösstmögliche Fangertrag (maximum sustainable yield MSY) langfristig gesichert bleibt.

«Bisher benötigte man dazu eine längere Zeitserie der Anzahl der Fische, die zu einem bestimmten Bestand gehören», erklärt Froese. Die neue Methode geht stattdessen von der Menge der gefangenen Fische aus, also von Daten, welche die Fischereibehörden ohnehin erheben.

Froese und Martell setzen die Fangmenge in Verbindung mit der Fähigkeit einer Fischart, sich zu regenerieren. «Das wiederum ist biologische Grundlagenforschung. Es geht um die Frage der Widerstandsfähigkeit, also wie schnell ein Fischbestand Verluste durch Fischerei ausgleichen kann. Bei den meisten Arten gibt es dazu Erkenntnisse, die auch in der globalen Online-Datenbank FishBase erfasst sind», erklärt Froese, einer ihrer Väter.

Froese und Martell testeten ihre Berechnungsmethode an 148 verschiedenen Fischbeständen, deren MSY aus früheren Untersuchungen schon bekannt war. Resultat: die berechneten Werte stimmen mit jenen aus Untersuchungen weitgehend überein.

Billo Heinzpeter Studer

Quelle

Druck auf EU?

Froese hofft, dass die neue Methode die Reform der EU-Fischereipolitik vorantreibt. Die EU-Agrarminister hatten nämlich bequemerweise im Juni 2012 beschlossen, die Fangquoten für all jene Fischbestände hoch zu belassen, für welche kein MSY bekannt ist.

«Im Moment würde das für die Mehrzahl der europäischen Fischbestände gelten, weil einfach die Daten fehlen», sagt Froese. «Mit der neuen Methode zur Berechnung des MSY entfällt dieses Argument für hohe Fangquoten.»



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