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Die Fischereiminister der EU-Mitgliedstaaten sind sich im Grundsatz einig: Der Rückwurf von «unnützen» Fischen soll künftig verboten werden. Noch strittig ist freilich die «Ausgestaltung» dieses Verbots. Damit ist weiterhin völlig offen, ob die hängige Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU mehr bringt als die bis heute skandalöse Plünderung europäischer und fremder Meere.

Bisher spült die europäische Fangindustrie etwa die Hälfte der gefangenen Fische gleich wieder ins Meer zurück. Schuld daran sind eine rücksichtslose Technik, die Jagd nach besonders hochpreisigem Fisch und die EU selbst.

Die bis heute geltende EU-Regelung verbietet das Anlanden von Fischarten, deren Fangquote für das laufende Jahr bereits erschöpft ist. Gleiches gilt für Jungfische, die sich noch nicht fortpflanzen konnten. Also über Bord damit.
Industrielles Fanggerät wie z. B. grosse Schleppnetze oder kilometerlange Langleinen sammelt alles Mögliche ein, auch Fische, die sich nicht vermarkten lassen – weg damit.
Aus der Masse der industrielle gefangenen Fische werden oft nur die besonders begehrten Exemplare aussortieren, die jenen hohen Preis lösen – der Rest ist Abfall, weg damit.


Künftig alle Fänge anlanden, aber

Die EU-Kommission will das Problem aus der Welt schaffen, indem künftig der ganze Fang angelandet werden soll. Dabei würden alle angelandeten Fische auf die Fangquote der betreffenden Art angerechnet. Was bis anhin ins Meer zurückgeworfen worden wäre, soll nicht verwertet werden dürfen. Denn die EU-Kommission zählt auf einen marktwirtschaftlichen Anreiz: wer nicht selektiv fischt, soll durch höhere Produktionskosten bestraft werden.

Genau hier sind sich die Fischereiminister nicht einig. Spanien und Frankreich fordern unter dem Druck ihrer mächtigen Fischereilobbies grosszügige Ausnahmen. Verlangt wird, dass nicht vermarktbare Fische zu Fischmehl verarbeitet werden dürfen, unter Bezahlung des Rohmaterials. Verwerten statt Entsorgen wäre natürlich vorzuziehen, wenn der Fisch schon mal an Land ist. Das Problem ist freilich, dass er überhaupt dem Meer entrissen wurde – dies ist es, was verhindert werden muss.

Gefordert wird auch, dass Rückwürfe erlaubt bleiben, wenn die betreffende Fischart dabei überlebt. Einmal abgesehen davon, dass es völlig rücksichtslos ist, Fische zu fangen, nur um festzustellen, dass sie doch nicht ganz den erwünschten Preis lösen werden: unerwünschte Fische wieder ins Meer zurücksetzen, damit sie weiterleben können, klingt ja scheinbar recht vernünftig. Die Frage ist freilich, in welchem Zeitabstand vom Fangzeitpunkt das Überleben gemessen wird. Einige Stunden nach dem Fang mag die Überlebensrate ja noch annehmbar aussehen. Die Verletzungen durch den Fang sind aber derart, dass die allermeisten Fische über kurz oder lang daran sterben


Für marktwirtschaftliche Anreize ist es zu spät

Marktwirtschaftliche Anreize können das jahrzehntealte Problem der EU-Fischereipolitik nicht mehr lösen, dafür ist es zu spät. Zu lange haben die EU und ihre Mitgliedsstaaten Anreize finanziert, welche vernünftige Marktmechanismen komplett ausgehebelt haben. Gewonnen haben nicht jene, die viele Arbeitsplätze schaffen, sondern die grossen Industriefischer. Belohnt wurden nicht die schonendsten Bewirtschafter der Fischbestände, sondern jene, die den grössten Raubbau betrieben.

Mittlerweile stehen die europäischen Fischbestände vor der Erschöpfung. Was getan werden muss, liegt auf der Hand, und es wird weh tun. Die EU-Fischereipolitik tut schon sehr lange sehr weh: den Fischen. Jetzt darf sie auch einmal jenen weh tun, die bisher EU-Gelder dafür kassiert haben, dass sie die Meere plünderten.

Was zu tun bleibt, aber bald

Eine hilfreiche Reform der EU-Fischereipolitik sieht so aus:

1) Reduktion der Fangmengen auf weniger als die Hälfte, für jeden Fischbestand so lange, bis er sich erholt hat. Verbot von nicht nachhaltigen Fangmethoden.

2) Zinslose Darlehen an Fischer zum Ausgleich der Einkommensverluste, rückzahlbar aus den Mehrerträgen, welche die Fangbeschränkung gebracht hat. Ausstieghilfen für Fischer, welche die neue Politik nicht mittragen wollen. Beihilfen für Besitzer von Fischereischiffen, die nachweislich verschrottet wurden.

3) Schluss mit Subventionen von EU und Mitgliedstaaten für die Fischerei. Bei gesunden Fischbeständen kann sich eine vernünftige Fischerei selber finanzieren.

4) Schluss mit Subventionen für eine Aquakultur, die auf Meerfisch für die Fütterung beruht.

5) Schluss mit Propaganda aus öffentlichen Mitteln für den Fischkonsum. Meine Gesundheit ist nicht abhängig davon, ob ich zweimal die Woche Fisch oder täglich Fischölkapseln zu mir nehme – erst recht nicht, wenn nicht mehr Fisch zur Verfügung steht als 1x pro Monat für jeden Menschen.


Quellen:
– Beschluss EU-Fischereiminister
– Spaniens Haltung zu Rückwürfen
– fair-fish zur EU-Fischereireform

– Fischkonsum und verfügbare Menge
– Zur Rückwurfsproblematik

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