Zur Reform der EU-Fischereipolitik

Siehe auch unseren Blog zur EU-Fischereipolitik


Nur zögerliche Schritte

2016: Viel Papier, noch wenig Wirkung

2013: Résumé der Reform der EU-Fischereipolitik




Europa, fang die eigenen Fische!

zu den Forderungen von fair-fish

Die hoch subventionierten europäischen Fangflotten haben die eigenen Meere längst geplündert und fischen nun fremde Meere leer. Mit einer neuen Politik möchte die EU die europäischen Gewässer wieder fischreich machen. fair-fish misstraut dieser Reform und fordert Massnahmen, die zum schonungsvollen Umgang mit den Fischbeständen zwingen: Keine europäischen Fangschiffe mehr in fremden Meeren, Verbot von Grundschleppnetzen und Schluss mit Fördermitteln für Fischzuchten, die mehr Fisch verfüttern, als sie liefern.

Das unlängst veröffentlichte Grünbuch gesteht den Bankrott der jahrzehntelangen EU-Fischereipolitik: Die europäischen Meere sind zu 88 Prozent überfischt. Im Weltdurchschnitt sind es «nur» 28 Prozent, Tendenz freilich zunehmend – nicht zuletzt, weil die europäischen Fangflotten nun halt fremde Meere leerfischen. Es benennt auch einige Gründe für den Bankrott, darunter die massive Überkapazität der Fangflotten. Hieraus entwickelt es Vorschläge für eine neue Fischereipolitik.

Auch diese neuste Reform wird wohl so wenig bringen wie alle früheren Versuche. Denn das Grünbuch blendet einige der Gründe für die Überfischung aller Meere aus. Weltweit werden fast 17 kg (ganzer) Fisch pro Kopf und Jahr konsumiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der Fischkonsum etwa beim Weltdurchschnitt, in vielen Ländern Europas wird noch weit mehr Fisch verzehrt.
Bereits 17 kg pro Kopf und Jahr sind aber weit mehr, als die Meere hergeben. Tatsächlich stammt bereits jeder zweite Fisch aus einer Zucht; doch die Zucht vieler Arten verfüttert drei- bis achtmal soviel Fisch, wie sie uns auf den Teller bringt. Fischzucht trägt also zur Leerfischung noch bei.

Subventionen…

Laut Umweltstiftung Pew subventioniert die EU die Fischerei mit 1 Milliarde Euro pro Jahr. Die Hälfte davon garniert Spanien und nutzt sie zum Bau neuer, grösserer Schiffe. Dabei ist die europäische Fangkapazität längst grösser als die noch befischbaren Bestände. Das gibt selbst die EU-Kommission zu.
Zwar nimmt die Zahl der europäischen Fangschiffe kontinuierlich ab (um 10% von 1999–2007), die Kapazität (Tonnage) jedoch nur um 5%.
Besonders kontraproduktiv die neuste Entwicklung in Deutschland: Von 2005 bis 2008 nahm die Zahl der Fangschiffe um 14% ab, die Kapazität aber wuchs um 8% zu. Noch drastischer Polen: –15% Schiffe, aber +35% Kapazität. Dank etwas mehr Vernunft in andern Mitgliedstaaten sieht die Bilanz für die ganze EU etwas besser aus: – 6% Schiffe und –8% Kapazität – was immer noch zu hoch ist. («IntraFish», August 2009)