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Ausfischen eines traditionellen Tilapia-Teichs in Zambia (Foto: Edward.J.Westmacott / Alamy)
Ausfischen eines traditionellen Tilapia-Teichs in Zambia (Foto: Edward.J.Westmacott / Alamy)

Afrikas Schicksal ist es seit Jahrhunderten, von Ländern und Firmen aus Übersee ausgebeutet zu werden. Auch nach dem offiziellen Ende des Kolonialismus hat sich wenig daran geändert, wie die Geschichte des weltweiten Fischhandels zeigt. Und es deutet vieles darauf hin, dass dies auch so bleiben soll, wenn Afrika im grossen Stil in die Fischzucht einsteigt

Seit Jahren plündern asiatische und europäische Trawler die Meere rund um Afrika, nachdem sie zuvor die heimischen Fischbestände dezimiert haben. Aber der Fischhunger und die Zahl der Menschen nehmen Jahr für Jahr zu. Es reicht längst nicht mehr, was in den Meeren schwimmt. Weltweit stammt jeder zweite Fisch auf einem Teller aus einer Fischzucht. Mengenmässig führend sind die Fischzüchter in Asien. Da auch dort mehr und mehr Menschen mehr und mehr Fisch essen, wird Asien stärker für den Heimmarkt produzieren und sich zusätzliche Fische anderswo beschaffen. In Afrika, wo die Fischzucht-Industrie erst am Anfang steht.

Auch Europa und Nordamerika sehen im noch weitgehend «leeren» Kontinent Afrika einen künftigen Zuchtfischlieferanten. Typisch ist die Abklärungsreise eines    asiatischen Seafood-Spezialisten im Auftrag der US-amerikanischen Soja-Exporteure durch afrikanische Länder mit einem als hoch beurteilten Potential für die Fischzucht. Wie Pilze schiessen seit ein paar Jahren entlang Afrikas Küsten Fischmehlfabriken aus dem Boden, um den Hunger der Fischzuchtindustrie in Asien und  Europa zu decken. Da Fischmehl nun schon mal vor Ort produziert wird, liessen sich damit Zuchtfische gleich in Afrika mästen, zusammen mit Soja aus den USA.

Erst hat man den Afrikanern die grösseren Fische weggefischt, um sie in Europa und Asien zu verspeisen. Jetzt fischt man ihnen auch die kleineren noch weg, um Fischfutter daraus zu machen. Und wenn dann endlich auch in Afrika ganze Küstenstriche und Landschaften von der Fischzuchtindustrie besetzt sind, wird die Welt Afrika auch noch die Zuchtfische wegessen. Und das heisst dann Entwicklung.

Quellen:
SeafoodSource 10.12.2018
fish-facts 27 Dezember 2018

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Kommentare

  1. Gerhard Karpiniec

    Gerhard Karpiniec am #

    Habe mit sehr großen Interesse diesen Beitrag gelesen. Kann mich der ganzen Kritik anschließen, und erlauben sie mir, eine Kritik an der Kritik. Was ich nicht gefunden habe ist eine praktikable alternative zu den berechtigten kritisierten Fakten.
    Was fehlt, wäre der Hinweis wo und wie es Ausbildungszentren in den afrikanischen Ländern gibt. Dann könnte die Überschrift vielleicht lauten “Afrika soll Fische züchten – für das eigene Land” (siehe Asien). Solle es keine funktionierenden Ausbildungszentren geben, welche auch Fischleid ausschließen muss , dann muss sie schaffen. Ich wäre dabei – Mitinvestoren gesucht.
    Gerhard Karpiniec
    Münchendorf/Österreich

  2. Billo Heinzpeter Studer

    Billo Heinzpeter Studer am #

    Nach unseren Erfahrungen in Westafrika vor zehn Jahren besteht seitens jener, welche mit ihrem Wissen die Aquakultur entwickeln helfen könnten, kein Interesse an kleinen lokalen Projekten zur Selbstversorgung; die haben alle nur grosse Dinge im Kopf, welche die einfachen Leute erneut abhängig machen würden, und am Ende ginge der Fisch eh wieder in den Export.
    Gleiches ist nach unserer Erfahrung leider auch wahr bei Aquakultur-Fachleuten auf internationaler Ebene: Die verstehen Entwicklung als etwas, das vor allem eines ist: «too big to help» .
    Was es bräuchte, wäre eine praktische Ausbildung der Menschen vor Ort, durch Fachleute, die bereit sind, die Vermittlung ihres Wissens auf lokale Bedürfnisse anzupassen, anstatt umgekehrt.

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